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Am Donnerstagabend kam es bei der Veranstaltung “Humor hilft hoffen” zu Tumulten vor dem Circus Krone Bau in der Münchner Innenstadt.

Etwa 5000 Fans von Jürgen Becker und Eckart von Hirschhausen mussten draußen vor den Zirkuspforten bleiben. Von Julia Völker

Sie hatten schon Stunden vor dem eigentlichen Beginn von “Humor hilft hoffen” auf Einlass gewartet und waren vom Regen durchnässt und ausgekühlt bei Temperaturen um die acht Grad. Unter solch widrigen Bedingungen sank selbst die Toleranzschwelle der sonst friedliebenden Kirchentagsbesucher.

Bereits eine Stunde vor Vorstellungsbeginn war die über zweitausend Personen fassende Manege fast voll besetzt. Sicherheitskräfte mussten den Haupteingang schließen, um eine Überfüllung zu vermeiden. Daraufhin stürmten Hunderte Kirchentagsbesucher auf den kleinen Nebeneingang zu.  Die Szenerie erinnerte an die eines Musikfestivals,  jeder einzelne versuchte sich durch die einzige offene Tür zu drängen, um doch noch irgendwie einen Platz in der Manege zu ergattern. Es kam zu einem rücksichtlosen Gedränge. “Alles was zählt, ist noch irgendwie reinzukommen”, sagte einer der Wartenden.

Die Sicherheitskräfte konnten der Situation nicht mehr Herr werden, Einsatzkräfte der Polizei mussten anrücken, um die Ausschreitung unter Kontrolle zu bringen. Bereits um 19.30 Uhr, eine halbe Stunde vor Beginn der Veranstaltung, bewegten sich aufgebrachte Menschenströme in Richtung S-Bahn, weg vom Circus Krone. Der Gegenstrom verebbte fast, nur wenige ließen sich nicht von den enttäuschten Abgewiesenen abschrecken.

Diese Wenigen wie auch einige Journalisten und Besucher mit Rollstühlen hatten unverhofftes Glück. “Als uns gesagt wurde, dass nichtmals mehr Presseleute rein dürfen, wollten wir gerade  gehen. Dann winkte uns ein Sicherheitsbeamter zur Seite, und jetzt sind wir drin” berichtete ein Besucher. Türsteher hatten die Türen des Backstagebereichs geöffnet, um die letzten verbleibenden Plätze zu füllen. Zahlreiche Besucher quittierten diese Überraschung mit Jubelrufen.

In der Manege war indes kaum etwas von der aufgebrachten Stimmung zu bemerken. Nur einzelne Besucher telefonierten immer wieder nach draußen, um durchzugeben, dass es sehr wohl noch freie Plätze gab. Die Stimmung vor den Pforten wurde hitziger, Wartende pochten auf Einlass.

Zwar waren tatsächlich noch Plätze frei. Wie viele genau, war aber schwer einzuschätzen, wie ein Sicherheitsbeauftragter sagte. “Sehr viele Besucher haben gleich mehrere Plätze besetzt und sind dann nochmals zum Essen gegangen”.

Auf zahlreichen Sitzen hingen demnach Jacken und Taschen, die dazugehörigen Personen standen dagegen noch draußen vor verschlossenen Türen. Es müssten auch Brandschutzrichtlinien eingehalten werden, erklärte ein Mitarbeiter des Circus Krone. Würde man zu viele Leute einlassen, bekäme man diese nicht mehr hinaus.

Den Circus Krone habe man trotz des zu erwartenden Andrangs der Olympiahalle vorgezogen, “weil er mehr Kabarettatmosphäre bietet”, sagte Pfarrer Siegfried Eckert in seiner Moderation. Die 2000 Besucher in der Halle stimmten ihm zu – die 5000 vor der Halle hatten für die Entscheidung allerdings kaum Verständnis. “Beim nächsten mal wünschen wir uns andere Prioritäten”, beklagte eine enttäuschte Wartende, die sich nach eigenem Bekunden sehr auf Jürgen Becker gefreut hatte.

Während viele Besucher noch im Regen standen, tobte in der Manege bereits das Publikum zu karibischen Klängen von “Judy Bailey and Band”. Als Becker und Hirschhausen loslegten, schien alles andere vergessen. Sie lieferten einen Lacher nach dem anderen.

Die Themen variierten von kirchentagsnah wie zu Margot Käßmann und Bischof Mixa bis zu den Klassikern wie Hirschhausens Zaubertricks oder Beckers Lied “Ich bin so froh, dass ich nicht evangelisch bin”. So sei Käßmann der katholischen Kirche weit voraus, diese verhandle noch über das Zölibat, während Käßmann schon beim Thema Scheidung ist.

Neben derartigen Witzeleien gab es auch nachdenklich-komische Schelte der jetzigen ökumenischen Situation. Sowohl Pfarrer Eckert als auch die beiden Kabarettisten schienen enttäuscht über die Annäherungen von katholisch und protestantisch. Eckert verglich das Verhältnis der beiden Kirchen mit einer Ehe.

“Es herrscht eine ökumenische Eiszeit, aber wir müssen zusammenhalten in guten wie in schlechten Zeiten.” Sie wollten versuchen zumindest im Rahmen von “Humor hilft hoffen” ein ökumenisches Freudenfest feiern – auch wenn die Ökumene in Realität noch weit entfernt sei. Der beste Beweis dafür sei das Verbot von weißen Festtischdecken bei der orthodoxen Vesper im Rahmen des Kirchentags. Begründung: sie könnten an die Eucharistie erinnern.

Im Circus Krone war das Publikum einer Ökumene tatsächlich sehr nah. Bei Liedern wie “Jesus Is Alive” tanzten und klatschten alle gemeinsam, als würden sie sich bereits lange kennen. Zur Vervollständigung der ökumenischen Abends hielt nicht der evangelische Pfarrer Eckert, sondern der katholische Landesbischof Johannes Friedrich die Abschlusspredigt.

Friedrich, bekannt für sein öffentliches Eintreten für die Zusammenarbeit von Katholiken und Protestanten, steckte das Publikum mit seiner Begeisterung an. So fand der Abend trotz Drängeleien ein versöhnliches Ende.



  1. Max on Freitag 14, 2010

    Ich war als Ordner bei dieser Veranstaltung Und hätte es war die Hölle los (Beim ÖKT ist diese Ausdrucksweise doppelt pikant) Es wurde gedrängelt, geschubst und es wurden sogar Sicherheitsz#äune weggeschoben. Das verstehe ich nicht unter einem christlichen Fest (so von wegen Nächstenliebe und so)

  2. Tobias on Freitag 14, 2010

    Ich möchte aber auch mal die andere Seite darstellen. Ich habe zu einer ganzen Reihe Leute gehört, die brav in der Schlange standen, sich auch geärgert haben, dass immer wieder Leute dran vorbeimarschiert sind, gehofft haben, dass wir trotz Andrang noch reinkommen, sich in der Zeit unter Regenschirmen nett mit zwei älteren Damen unterhalten haben und schließlich ohne Murren umgedreht sind, als klar war, dass man nicht mehr reinkommt. Es wäre z.B. auch mal sinnvoll gewesen, wenn eine Einschätzung gegeben worden wäre, ob es überhaupt noch Sinn macht, zu warten (oder einfach irgendeine Information). Da gab es zumindest dort wo wir standen gar nichts. Ich musste mir bei einigen Verantaltungen denken, vielleicht hätte man da Karten ausgeben sollen, um den Überblick zu behalten, wie viele Leute rein sind. Und außerdem die Halle zwischen Veranstaltungen wieder räumen, damit man nicht blockieren kann (oder sogar diese Großveranstaltungen mit Anmeldung machen). Aber mir ist auch klar, dass so etwas nicht so einfach ist. Und alles in Allem war der ÖKT sehr schön und bereichernd.