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Jan Thomas OtteHoffnung ist gut, Leistung ist besser. Von nichts kommt ja nichts. 215 Veranstaltungen des ÖKT gehen rund ums Thema Wirtschaft: Menschen wertschätzen, mit Werten führen, wertvoller arbeiten. Sind Christen die besseren Manager? Der Kommentar zum 2. Ökumenischen Kirchentag, jeden Tag, bis Sonntag. Von Jan Thomas Otte, Theologie-Student an der Uni Heidelberg

Keine Leistung. Multimedial vernetzt, international aufgestellt, über 2000 Jahre alt. Begreift man Kirche als Konzern, hat ihr Marketing funktioniert. Ob Diakonie oder Caritas, Johanniter oder Malteser. Christliche Manager mischen sich ein in die Gesellschaft. Packen nicht nur sonntags im Gottesdienst mit an. Sondern im Job, dem Verdienen des täglichen Brots, Geld und Anerkennung.

Kein Wunder also, wenn besonders solche Menschen bei der Bibelarbeit besonders Applaus bekommen. Nicht Schwadronierer, sondern Überzeugungstäter des Wortes. Abseits von Missbrauchsdebatten und Margot Käßmanns Pillen-Predigt. Erfolgreiche Christen, die Moral und Management miteinander verbinden, sind ein Vorbild für andere. Antworten auf Fragen eifriger Zuhörer bleiben aber meist nüchtern. Jeder müsse selbst irgendwie sehen, wo er bleibt, wie er was ethisch umsetzt.

Doch Leistung? In der Bibel lese ich Jesus’ Gleichnis der anvertrauten Talente: “Hättest du mein Geld wenigstens auf die Bank gebracht, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten” (Matthäus 25,27). Diese Aussage könnte Investment-Banking fördern, seine göttlichen Gaben entsprechend einzusetzen.  Jesus’ Geschichte über die Arbeiter im Weinberg freut dagegen die Gewerkschafter, denn: “So werden die Letzten die Ersten sein, die Ersten die Letzten” (Matthäus 20,16). Eine Story für bedingungsloses Grundeinkommen, weil vor Gott alle gleich sind. Und dann sind da noch Paulus’ Briefe mit der Kollekte – Coaching für die christliche Gemeinde. Nun ja. Ich merke mal wieder: Wettbewerb und Kooperation schließen sich nicht aus. Gerade dann, wenn’s ums Geld geht.

Alles scheint mit der Person des Managers zu stehen und zu fallen, seiner Integrität. Fraglich bleibt, wie er so christliche Werte, vor allem die Nächstenliebe ganz praktisch umsetzt. Und woher er die Motivation dazu ableitet. Ich habe Professoren, Banker und Unternehmer dazu befragt. Pfarrer natürlich auch.

Manager Paul-Bernhard Kallen

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Unternehmen müssen florieren, bewegen sich aber auch nicht im ethisch-freien Raum. Es gebe nur quantitatives und qualitatives Wachstum zugleich, sagt Medienmacher Kallen.

Medien-Manager. Paul-Bernhard Kallen, Vorstand von Burda Medien, sprach mit mir darüber, wie man Werte innerhalb der Unternehmenskultur vorleben kann. Unternehmen müssten florieren, bewegten sich aber auch nicht im ethisch-freien Raum.  Es gebe nur quantitatives und qualitatives Wachstum zugleich, sagt Kallen. Vom internen Wettbewerb hält er viel, dem Unternehmer im Unternehmen. Auf was achtet der Manager beim Job-Interview?

Management-Ausbilder. Udo Steffens, Präsident der Frankfurt School of Finance & Management  erklärte, wie man trotz unternehmerischer Interessen dennoch ethische Werte leben kann. Auch Manager seien gefordert, sich dem gesellschaftlichen Konsens mal anzupassen, sagt Steffens. Da scheine auch an “unserer Schule etwas aus dem Ruder gelaufen zu sein”. Was hält der BWL-Professor von Prinzipien des ehrbaren Kaufmanns oder dem Manager-Eid der Harvard Business School?

Elite-Förderer. Lothar Knatz, Präsident des Evangelischen Studienwerks Villigst, beurteilte für mich Bildungs-Eliten, die geplante Büchergeld-Erhöhung und Verantwortung für die Gesellschaft. Der Protestant spricht gerne von Verantwortungs-Eliten. Mit Werten führen, lautet Knatz’ Credo. Werte seien Scharniere zwischen Theorie und Praxis. Inwiefern belohnt der Stipendiengeber das Ehrenamt?

Heinrich Deichmanns Bibelarbeit

Hauptbegriffe der Bibelarbeit Deichmanns

Christlicher Unternehmer. Heinrich Deichmann, Vorsitzender des Familienunternehmens mit mehr als 3 Milliarden Euro Umsatz im Jahr, bewertete die Rolle seines christlichen Glaubens, der Gier von Managern und sein Theologie-Studium. Es sei selbstverständlich, sich als Unternehmer sozial zu engagieren, sagte Deichmann. Seine Motivation: “Der Glaube ist das Zentrale in meinem Leben”. Sind Christen die besseren Manager?

Katholischer Bankier. Burkhard Leffers, ehemals Mitglied des Vorstandes der Commerzbank, befragte ich zu Chancen als Christ in einem großen Unternehmen, ebenso zu Gesprächen mit Kunden und Kollegen über das Kruzifix in seinem Büro. Seinen Glauben habe er niemals an den Hutnagel gehangen, sagt Leffers: “Effizienz ist niemals das höchste Ziel”.  Heute sitzt er im Vorstand vom Bund Katholischer Unternehmer. Kann man als Christ authentisch arbeiten, in einem Aktien-Unternehmen?

Evangelischer Spendensammler. Helmut Liebs, Pfarrer und Fundraiser der evangelischen Kirche in Württemberg, vermittelte mir einen Einblick in die Verhandlungen mit Dax30-Vorständen, die Übersetzung von wirtschaftlichen Interessen in die Ortsgemeinden und seine ganz persönliche Mission. Die Sache mit Gott und Geld fasziniere ihn, egal mit wem er spreche zwischen Alb und Bodensee, unabhängig von dem was er leiste, sagte Liebs. Warum sollten Menschen in den Konzern Kirche investieren?

Professoren von Business-Schools, Manager großer Beteiligungsgesellschaften und Stipendiengeber für kommende Studenten. Die Führungselite von morgen will gebildet sein. Aber nicht immer ist Elite wirklich ethisch.

Wort Ottes. Der Kommentar zum 2. Ökumenischen Kirchentag, jeden Tag, bis Sonntag. Von Jan Thomas Otte, Theologie-Student an der Uni Heidelberg. Vorher ging es um Hoffnung, hier um Leistung, dann um Erquickung.

Fotos & Videos: Jan Thomas Otte



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