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Foto: Anja Breljak

Zwischen Müllberg und Klärwerk piekst eine Turmspitze in den Himmel. Es ist kein Kirchturm, sondern das Minarett der Freimann-Moschee im Münchner Stadtteil Schwabing-Freimann. Besuch des Freitagsgebets. Von: Anja Breljak

„Bis heute gibt es in der Münchner Innenstadt keine einzige Moschee, Bauerlaubnis gab es nur für Gebiete außerhalb des Stadtrings,“ erklärt Ahmed Al-Khalif, der Direktor des Islamischen Zentrums München. Das Islamische Zentrum mit der Freimann-Moschee wurde 1973 von muslimischen Studenten gegründet und war der erste muslimische Bau in Süddeutschland seit dem 2. Weltkrieg. Es ist der Sitz der Islamischen Gemeinschaft, der ältesten muslimischen Institution Deutschlands.

Al-Khalif zu Kirchentag und Vorurteilen:

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Im Gebetsraum für Frauen drückt sich Hitze durch die kleinen Lücken zwischen den Körpern. „Wir haben sogar den Gemeinschaftsraum und die Caféteria mit Teppichen ausgelegt, im Sommer beten wir auf der Wiese,“ erklärt Ina Al-Moneyyer mit Bayrischem Akzent. Der Platz ist eng, aber das sei so in allen Moscheen in München. Schließlich nehmen die Mitgliedszahlen zu – im Gegensatz zu den Kirchen. „Für das Gebet braucht es eigentlich nur einen Ort zum Waschen und die Ausrichtung gen Mekka. In der Freimann-Moschee wird das von der Gebetsniesche, der Mihrab, angegeben.“ Ina Al-Moneyyer hilft ehrenamtlich in der Moschee aus, gibt Führungen und kümmert sich um Besucher.

Im Rahmen des 2. Ökumenischen Kirchentags veranstalten die Münchner Moscheen die Islamische Woche. Neben Podiumsdiskussionen und Führungen wird auch das Freitagsgebet für Besucher geöffnet. Eine Besucherin ist gekommen. Sie trägt ein türkisfarbenes Kopftuch. „Mit dem Anpassen habe ich kein Problem, das ist eine Frage des Respekts,“ sagt sie. Die beiden Frauen kommen ins Gespräch. So viele Gemeinsamkeiten, das sei erstaunlich. Jesus, zwei große Feste, ein Gott, an den sie glauben. „Der Hauptunterschied liegt vermutlich in der Sichtbarkeit: Muslime drücken ihre Religiosität offen aus und stellen sie zur Schau. Das produziert Misstrauen und Ängste,“ sagt Al-Moneyyer. „Nur mit dem Kennenlernen lassen sich diese Ängste, geschürt durch die Medien, abbauen,“ ergänzt Christine Burmhardt. Sie ist Protestantin. Aus Neugier sei sie zum Freitagsgebet gekommen.

„Meinen größten Zweifel und viele skeptische Fragen habe ich zur Stellung der Frau,“ sie nippt am Tee und schaut Ina Al-Moneyyer vorsichtig ins Gesicht. Ist es Unterordnung oder Auslegungssache? Das sei der nächste Unterschied, erklärt Al-Moneyyer: Im Islam gäbe es eine Zweiteilung, die der Frau mehr oder weniger zugute komme. Männer und Frauen hätten zwar gleiche Rechte vor Gott, aber unterschiedliche Pflichten innerhalb der Familie und Gesellschaft. Männer sorgen demnach für den Unterhalt und Frauen für die Kinder. „Mit dem Islam und dem Propheten Mohammed wurden Frauen erst eine Persönlichkeit und Rechte zugesprochen, bis dahin konnten sie verkauft, vererbt und getötet werden. Sie waren Eigentum.“ Heutige Auswüchse wie in Saudi-Arabien, wo Frauen noch nicht einmal Autofahren dürfen, seien nicht nach dem Koran und auch nicht nach dem Leben des Propheten. „Auch Zwangsehen sind im Koran nicht verankert, das ist vielmehr verknüpfte Tradition, mit der die Macht der Männer, das patriarchalische System erhalten wird.“ Burmhardt lenkt ein: „Im Christentum ist das Patriarchalische auch bestimmend: Frauen durften nicht predigen, und im Katholizismus und in der Orthodoxie zum Beispiel dürfen sie das heute noch nicht. So wird Religion instrumentalisiert.“

Durch den Raum wandern blaue Kopfhörer für Übersetzungen aus dem Arabischen ins Deutsche. Die tiefe Stimme des Übersetzers Ahmed Al-Khalifs dröhnt in den Kopfhörern über der Predigt des Gebetsvorstehers. Er spricht vom Dialog zwischen Christen und Muslimen, von Vorurteilen und Öffnung als Gegenmittel. Er kommt aus Saudi-Arabien, denn die Imamausbildung ist in Deutschland immer noch nicht verankert.

Es sei die Lehre, die traditionelle und patriarchalische Strukturen in die Religion transportiere. „Der Lehrer sagt etwas vor und der Schüler lernt es auswendig; es ist ein nur rezitierendes Lernen ohne Hinterfragen,“ sagt Ina Moneyyer. Deshalb sei der christlich-muslimische Dialog so eine große Chance. „Diese Form des Auseinandersetzens können wir von unseren christlichen Nachbarn lernen. Denn, nur wer hinterfragt, kann sicherstellen, dass seine Religiosität nicht aufgesetzt ist.“ Christen hingegen, wirft Brumhardt ein, könnten sich genau an dieser Religiosität ein Beispiel nehmen: die Religion, das Beten und Glauben in den Alltag holen. „Vielleicht schaffen wir uns selbst so mehr Verständnis und bekämpfen unsere Berührungsängste mit dem Islam.“

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Zwischen Müllberg und Klärwerk piekst eine Turmspitze in den Himmel. Es ist kein Kirchturm, sondern das Minarett der Freimann-Moschee im Münchner Stadtteil Schwabing-Freimann. „Bis heute gibt es in der Münchner Innenstadt keine einzige Moschee, Bauerlaubnis gab es nur für Gebiete außerhalb des Stadtrings,“ erklärt Ahmed Al-Khalif, der Direktor des Islamischen Zentrums München. Das Islamische Zentrum mit der Freimann-Moschee wurde 1973 von muslimischen Studenten gegründet und war der erste muslimische Bau in Süddeutschland seit dem 2. Weltkrieg. Es ist der Sitz der Islamischen Gemeinschaft, der ältesten muslimischen Institution Deutschlands.

Im Gebetsraum für Frauen drückt sich Hitze durch die kleinen Lücken zwischen den Körpern. „Wir haben sogar den Gemeinschaftsraum und die Caféteria mit Teppichen ausgelegt, im Sommer beten wir auf der Wiese,“ erklärt Ina Al-Moneyyer mit Bayrischem Akzent. Der Platz ist eng, aber das sei so in allen Moscheen in München. Schließlich nehmen die Mitgliedszahlen zu – im Gegensatz zu den Kirchen. „Für das Gebet braucht es eigentlich nur einen Ort zum Waschen und die Ausrichtung gen Mekka. In der Freimann-Moschee wird das von der Gebetsniesche, der Mihrab, angegeben.“ Ina Al-Moneyyer hilft ehrenamtlich in der Moschee aus, gibt Führungen und kümmert sich um Besucher.

Im Rahmen des 2. Ökumenischen Kirchentags veranstalten die Münchner Moscheen die Islamische Woche. Neben Podiumsdiskussionen und Führungen wird auch das Freitagsgebet für Besucher geöffnet. Eine Besucherin ist gekommen. Sie trägt ein türkisfarbenes Kopftuch. „Mit dem Anpassen habe ich kein Problem, das ist eine Frage des Respekts,“ sagt sie. Die beiden Frauen kommen ins Gespräch. So viele Gemeinsamkeiten, das sei erstaunlich. Jesus, zwei große Feste, ein Gott, an den sie glauben. „Der Hauptunterschied liegt vermutlich in der Sichtbarkeit: Muslime drücken ihre Religiosität offen aus und stellen sie zur Schau. Das produziert Misstrauen und Ängste,“ sagt Al-Moneyyer. „Nur mit dem Kennenlernen lassen sich diese Ängste, geschürt durch die Medien, abbauen,“ ergänzt Christine Burmhardt. Sie ist Protestantin. Aus Neugier sei sie zum Freitagsgebet gekommen.

„Meinen größten Zweifel und viele skeptische Fragen habe ich zur Stellung der Frau,“ sie nippt am Tee und schaut Ina Al-Moneyyer vorsichtig ins Gesicht. Ist es Unterordnung oder Auslegungssache? Das sei der nächste Unterschied, erklärt Al-Moneyyer: Im Islam gäbe es eine Zweiteilung, die der Frau mehr oder weniger zugute komme. Männer und Frauen hätten zwar gleiche Rechte vor Gott, aber unterschiedliche Pflichten innerhalb der Familie und Gesellschaft. Männer sorgen demnach für den Unterhalt und Frauen für die Kinder. „Mit dem Islam und dem Propheten Mohammed wurden Frauen erst eine Persönlichkeit und Rechte zugesprochen, bis dahin konnten sie verkauft, vererbt und getötet werden. Sie waren Eigentum.“ Heutige Auswüchse wie in Saudi-Arabien, wo Frauen noch nicht einmal Autofahren dürfen, seien nicht nach dem Koran und auch nicht nach dem Leben des Propheten. „Auch Zwangsehen sind im Koran nicht verankert, das ist vielmehr verknüpfte Tradition, mit der die Macht der Männer, das patriarchalische System erhalten wird.“ Burmhardt lenkt ein: „Im Christentum ist das Patriarchalische auch bestimmend: Frauen durften nicht predigen, und im Katholizismus und in der Orthodoxie zum Beispiel dürfen sie das heute noch nicht. So wird Religion instrumentalisiert.“

Durch den Raum wandern blaue Kopfhörer für Übersetzungen aus dem Arabischen ins Deutsche. Die tiefe Stimme des Übersetzers Ahmed Al-Khalifs dröhnt in den Kopfhörern über der Predigt des Gebetsvorstehers. Er spricht vom Dialog zwischen Christen und Muslimen, von Vorurteilen und Öffnung als Gegenmittel. Er kommt aus Saudi-Arabien, denn die Imamausbildung ist in Deutschland immer noch nicht verankert.

Es sei die Lehre, die traditionelle und patriarchalische Strukturen in die Religion transportiere. „Der Lehrer sagt etwas vor und der Schüler lernt es auswendig; es ist ein nur rezitierendes Lernen ohne Hinterfragen,“ sagt Ina Moneyyer. Deshalb sei der christlich-muslimische Dialog so eine große Chance. „Diese Form des Auseinandersetzens können wir von unseren christlichen Nachbarn lernen. Denn, nur wer hinterfragt, kann sicherstellen, dass seine Religiosität nicht aufgesetzt ist.“ Christen hingegen, wirft Brumhardt ein, könnten sich genau an dieser Religiosität ein Beispiel nehmen: die Religion, das Beten und Glauben in den Alltag holen. „Vielleicht schaffen wir uns selbst so mehr Verständnis und bekämpfen unsere Berührungsängste mit dem Islam.“



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