Rss Feed
Tweeter button
Facebook button
Lesen Sie die letzten Artikel:

Tausende Gläubige werden auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag während der Kollekte Geld spenden. Doch wofür eigentlich? Ein Besuch in der Jadwiga Fachberatungsstelle in München, die die Kollekte der zentralen Ökumenischen Feier am Donnerstag erhält. Von Franziska Broich

Monika Cissek-Evans freut sich über jeden Euro, der am Donnerstag in der zentralen Ökumenischen Feier zu Christi Himmelfahrt in den Klingelbeutel fällt. Deswegen hofft sie auch, dass gutes Wetter ist, damit sich viele Pilger auf den Weg zum Odeonsplatz machen. Cissek-Evans ist die Leiterin der Fachberatungsstelle Jadwiga gegen Frauenhandel. Die ökumenische Beratungsstelle hilft verschleppten Frauen, aus der Zwangsprostitution und ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen heraus zukommen. Diese Arbeit ist nicht ohne Risiko, deswegen steht der Opferschutz an erster Stelle.

Foto: Franziska Broich

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Die Organisatoren des 2. Ökumenischen Kirchentags haben Jadwiga für die Kollekte der zentralen Ökumenischen Feier ausgewählt, weil in ihrer Arbeit das Zusammenwirken von Christen besonders deutlich wird. Außerdem wollen die Veranstalter auf die Themen Zwangsprostitution und Frauenhandel aufmerksam machen.

Ökumene in der Beratung

„Ein Großteil der Frauen, die Jadwiga berät, kommt aus Osteuropa. Aber es kommen auch immer mehr Frauen aus Nigeria“ erzählt Monika Cissek-Evans, die Leiterin von Jadwiga. In ihrem Büro schmücken bunte Bilder und eine Europakarte die Wände. Insgesamt steigt die Anfrage in der Fachberatungsstelle stetig. Letzes Jahr haben um die 100 Frauen die Hilfe der Fachberatungsstelle in Anspruch genommen. Glaube und Ökumene spielt nicht nur für das multikonfessionelle Team von der Fachberatungsstelle eine große Rolle. Cissek-Evans erklärt: „Viele Frauen, die zu Jadwiga kommen, haben einen starken Glauben und erkundigen sich nach Kontakten zu Kirchen und Gemeinden“.

Die Fachberatungsstelle hat sich gefreut, dass sie die Kollekte der zentralen Ökumenischen Feier am Donnerstag erhält. Davon sollen Sprachkurse, laufende Honorarkosten sowie der „Feuerwehrfond“ bezahlt werden. „Der „Feuerwehrfond“ ist eine erste schnelle Hilfe, wie zum Beispiel Kleidung und Hygieneartikel, die die Frauen bei ihrer Flucht meistens nicht mitnehmen können“, erläutert die Leiterin von Jadwiga.

Um die Öffentlichkeit über Frauenhandel zu informieren und das Thema mehr in den Fokus der Gesellschaft zu rücken, hat die Fachberatungsstelle die Geschichte der 17Jährigen Lisha aus Afrika aufgeschrieben. Den Namen des Opfers hat die Jadwiga Mitarbeiterin geändert.

Lishas Geschichte

Lisha wurde in ihrem Heimatdorf von einer älteren Frau auf ihre besonderen handwerklichen Fähigkeiten angesprochen und gefragt, ob sie nach Deutschland gehen wolle. Dort könne sie mehr Geld verdienen. Die Waisin Lisha nahm das Angebot an. Bevor es los ging, musste sie bei einem Voodoo-Meister schwören, dass sie die Reisekosten von 30.000 Euro zurückzahle. In Deutschland angekommen, erwartete Lisha keine handwerkliche Arbeit, sondern die Zwangsprostitution. Im Bordell wurde sie bedroht, geschlagen und vergewaltigt. Irgendwann hatte Lisha keine Kraft mehr. Sie entschloss sich zu fliehen. Nachdem ein Freier ihr zur Flucht verhalf, sagte sie bei der Polizei gegen die Zuhälter aus und Jadwiga wurde eingeschaltet. Die Fachberatungsstelle besorgte Lisha eine Unterkunft, begleitete sie zum Arzt, zum Gerichtsprozess und finanzierte ihr einen Deutschkurs. Regelmäßig kommt Lisha noch heute zu Beratungsgesprächen zu Jadwiga.

„Wie Lisha kommen die meisten Frauen über Vermittler wie die Polizei oder andere Hilfsorganisationen zu Jadwiga“, erklärt Cissek-Evans. Um optimal auf die Frauen eingehen zu können, sprechen die Mitarbeiterinnen von Jadwiga zusammen insgesamt zwölf Sprachen. So können Beratungsgespräche auch auf Polnisch, Tschechisch oder Mazedonisch geführt werden. Das gibt den Frauen Sicherheit und das Gefühl, dass jemand ihre Kultur kennt.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Jadwiga auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag

Auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag ist Jadwiga mit dem Verein für Internationale Jugendarbeit und IN VIA Katholische Mädchensozialarbeit in der Agora vertreten. Die beiden Vereine sind die Träger der ökumenischen Beratungsstelle, die über das Bayrische Sozialministerium, das Diakonische Werk und zu einem großen Teil aus Spenden finanziert wird. „Auf dem Kirchentag in München werden wir unseren Geburtstagskalender verkaufen“, sagt Cissek-Evans. Der Erlös soll ebenfalls der Beratungsstelle zugute kommen. Die Bilder aus dem Geburtstagskalender haben die Frauen, die von Jadwiga betreut werden, selbst geschossen und zeigen München aus ihrer Perspektive.



  1. Eine Antwort hinterlassen!