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Foto: Sebastian QuillmannChristian Herz ist Katholik von Kindesbeinen an. Als Ministrant war er in der Kirche aktiv. Nach dem Abitur studierte er katholische Theologie in Augsburg. Er fühlte sich zum Priester berufen. Er identifiziert sich mit seiner Kirche, immer noch. Doch Priester werden konnte er nicht. Denn er hat sich entschieden, offen und selbstbewusst als schwuler Christ zu leben. Fragen von Sebastian Quillmann

Wann ist Ihnen bewusst geworden, dass Sie schwul sind?

Bewusst geworden? Das, was man „Coming Out“ nennt, hatte ich im Priesterseminar in Augsburg, also im dritten, vierten Semester meines Theologiestudiums. Die Eltern haben es dann erst ein Jahr später erfahren. Das gab natürlich Probleme. Sie konnten das nicht verstehen: So wenig, wie ich mich selbst vorher verstanden hatte mit meinem Schwul-Sein, das ich natürlich schon als Jugendlicher hatte, aber nicht bewusst – oder nicht wahrnehmen wollte.

Warum haben Sie Ihr Studium fortgesetzt? Stellt die katholische Theologie einen jungen schwulen Mann nicht vor große Probleme mit seiner Identität?

Ich denke, dass der katholische Glaube und das Priesterbild, der Beruf des Priesters, sogar attraktiv für Jugendliche ist, die mit ihrem Schwul-Sein entweder noch nicht raus sind, oder das zwar schon latent spüren, aber noch nicht wissen, wie sie es leben sollen. Es ist das zölibatäre Leben, das einem die unangenehme Frage nach der Freundin vom Leib hält.

In der katholischen Kirche herrscht die Ansicht vor, dass Homosexualität eine Sünde ist. Was lässt Sie trotzdem an Ihrem Glauben festhalten?

Wenn Ihnen das solchen Mut gemacht hat, hatten Sie also doch zuerst Angst, dass Gott Sie „in die Pfanne hauen“ könnte?

Haben Sie sich schon im Studium offen zu Ihrem Schwul-Sein bekannt?

Das war nur wenigen Mitstudierenden gegenüber möglich. Einem dann schon, der wurde dann mein Freund – und ist es heute noch nach über 20 Jahren. Klar, da entstand dann Liebe und die hat man voreinander schon gestanden und bekannt. Den anderen gegenüber habe ich versucht, im Gespräch zu vermitteln, was ich als Überzeugung gewonnen habe, dass eben Homosexualität weder Krankheit noch Sünde ist – allerdings ohne dass ich dieses Zeugnis abgelegt habe: Ich bin schwul.

Was hat Sie letztlich davon abgebracht, Priester zu werden?

Ich konnte den Spagat zwischen Schwul-Sein und der Kirche, die Schwule verurteilt, nicht mitgehen. Deshalb war mir schon recht früh im Studium klar, dass ich nicht unter dieser Lebenslüge arbeiten will, Berufung hin oder her. Ich denke durchaus, dass Gott mich für diese Aufgabe so ausgerüstet hat, dass ich sie bewältigen könnte. Aber unter den Rahmenbedingungen, die die katholische Kirche stellt, war das einfach nicht drin.

Haben Sie für sich denn die Möglichkeit gesehen, zu einer toleranteren Konfession zu wechseln, um doch als Priester arbeiten zu können?

Nachdem ich seit meinem „Coming Out“ in ökumenischen Gruppierungen aktiv bin wie etwa bei „Homosexualität und Kirche“ oder unserer „Arbeitsgruppe Schwule Theologie“, ist der Horizont für den Protestantismus da. Ich erlebe die Bereicherung aus den anderen Konfessionen, sowohl  von evangelischer Seite als auch von den Altkatholiken. Aber für mich selbst war es nie ein Punkt, dass ich hätte sagen können: Ich kann da wechseln.

Aber warum stehen Sie so loyal zur katholischen Kirche?

Loyalität ist das falsche Wort. Ich habe eine kritische Haltung. Doch da ist ein Stück weit katholische Identität, die ich aufgebaut oder aufgesogen habe. Und diese Gemeinschaft, in die ich hineingetauft bin, die eben auch größer ist als Papst, Bischöfe und Priester, die vielen Mitgläubigen in meiner Kirche – das alles würde ich nicht so einfach aufgeben wollen. Es ist doch etwas wie eine Haut, die man sich zugelegt hat. Und vielleicht ist auch der Leidensdruck noch nicht groß genug, um aus dieser Haut zu fahren. Vielleicht kommt das ja noch.

Oft werden die Probleme in den Mittelpunkt gestellt, die die christliche Lehre für Homosexuelle aufwirft. Gibt es auch etwas, dass der Glaube speziell Schwulen geben kann?

Ich weiß nicht, ob das spezifisch schwul ist. Es hat mehr etwas damit zu tun, wenn jemand nicht in allen Punkten mit der Mehrheit d’accord gehen kann. Ich denke, das ist etwas, das jemand wie Jesus erlebt hat: Dass er angefeindet wurde, dass er nicht in gängige Konzepte der damaligen Zeit gepasst hat. Dass er seine Jünger und Jüngerinnen um sich geschart hat. Das sind Dinge, die jemand entdecken kann, der auch quer zur Gesellschaft, quer zur Mehrheit und quer zur katholischen Allgemeinheit steht, und für sich so ein Vorbild haben kann, wie er in seinem Glauben lebt.

Was heißt das für Sie: im Glauben leben?

Für mich in meiner Beziehung mit meinem Freund heißt das, dass wir als zwei schwule Katholiken auch in der Gemeinde auftreten – sei es in meiner Heimatgemeinde, sei es in der Gemeinde in München, die wir regelmäßig besuchen. Beide Gemeinden haben überhaupt kein Problem damit und die Offenheit der Gläubigen ist da.

Haben Sie und Ihr Freund sich als Paar von einem Priester segnen lassen?

Eine letzte Frage: Was glauben Sie, wie Gott über Schwule denkt?



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