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Am Freitagnachmittag sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Ökumenischen Kirchentag zum Thema „Hoffnung in Zeiten der Unsicherheit“. Ihr Schwerpunkt lag auf der Frage, woher die Hoffnung kommt, die wir gerade in der derzeitigen Wirtschafts- und Finanzkrise dringend brauchen. Von Anna-Katharina Lenz

Wider Erwarten trug die Kanzlerin am Freitagnachmittag keinen ihrer grünen Blazer, um die Symbolik der Hoffnung zu unterstreichen. Angela Merkel entschied sich für die blaue Variante. Immerhin steht Blau für Vertrauen, Pflichttreue und Ruhe. Das ist im Hinblick auf die Griechenlandkrise und die Euro-Instabilität wohl genauso wichtig wie die bloße Hoffnung, dass am Ende alles gut geht.

Früh im Vortrag kam die Bundeskanzlerin auf die Finanzkrise zu sprechen. Der Rettungsschirm, zu dem Deutschland 130 Milliarden Euro beiträgt, soll den Spekulanten das Rückgrat brechen. Damit soll das Vertrauen in Europa und den Euro gestärkt werden. Daran, dass die Milliarden am Ende tatsächlich benutzt werden müssen, glaubt Angela Merkel nicht. Trotzdem steht nicht fest, ob der Kampf gegen die Unsicherheit um den Euro mit dem Rettungspaket gewonnen ist. „Viele Länder müssen noch enorme Anstrengungen in Europa unternehmen,“ sagte die Kanzlerin. Auf Josef Ackermann ging sie hingegen nicht ein – er hatte am Vortag öffentlich bei Maybrit Illner bezweifelt, dass Griechenland über die Zeit wirklich in der Lage sein werde, die Leistungskraft aufzubringen, um die Schulden zurückzuzahlen.

Dass etwas an den Finanzmärkten getan werden muss, um das wilde Spekulieren einzuschränken, war in der Halle Konsens. Doch über die Richtung, in die es gehen soll, äußerte sich Angela Merkel nur vage. „Wir brauchen eine ordentliche Gerichtsbarkeit an den internationalen Finanzmärkten, und ich weiß, es geht verdammt langsam voran.“ Als nach konkreten Vorschlägen aus dem Publikum gefragt wurde, zog die Bundeskanzlerin Banken und Mitarbeiter zur Verantwortung. Zum einen sei abgesprochen, eine Bankenabgabe einzuführen, damit in der nächsten Krise nicht wieder auf die Steuerzahler zurückgegriffen werden müsse. Zum anderen herrsche Streit darüber, ob eine Finanztransaktionssteuer oder eine Besteuerung von Bankengewinnen und Boni besser sei. „Ich sage, die Banker müssen stärker heran genommen werden.“

Trotzdem herrschte auf dem Podium Einigkeit darüber, dass die Debatte nicht auf die Rolle der Banker reduziert werden dürfe.„Wären die Länder nicht so überschuldet, hätten Spekulanten keine Chance“, betonte Merkel. Das bedeutet im Umkehrschluss: Die europäischen Staaten müssen sparen – also auch Deutschland. „Wir müssen darauf achten, dass wir zu einem Leben kommen, in dem wir nicht ständig über unsere Verhältnisse leben.“ Wo gespart werden soll, ließ die Kanzlerin hingegen offen. Klar ist: Merkel will nicht bei Forschung, Bildung und Kinderbetreuung kürzen – mit diesen Bereichen müsse die Gesellschaft für die Zukunft gestärkt werden.

Am Ende wurde Merkel versöhnlich. Sie betonte erneut den gesellschaftlichen Zusammenhalt, der für die Sparmaßnahmen notwendig sei. Die Aufgabe sei nicht leicht, denn das Solidaritätsprinzip solle nicht verletzt werden. Im Zentrum ihrer Abschlussworte stand, dass sich die Bürger immer wieder auf die gemeinsamen Werte besinnen müssten. „Dafür ist die Bibel eine gute Quelle, aber auch gemeinsames Singen und Diskutieren – so wie es hier auf dem Ökumenischen Kirchentag stattfindet.“

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Zeichen der Einheit gab es viele auf diesem Kirchentag, der mehr als nur Symbolkraft für das Zusammenwachsen der Konfessionen haben soll. Aber auch auf politischer Seite gab es Zeichen des Zusammenhaltes. Zum ersten Mal sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der CSU-nahen Hans-Seidel-Stiftung im Münchener Zentrum. Die Rede über Politik und Religion gibt es hier auf kirchentags.de in voller Länge. Von Philipp Sümmermann




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