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Eine wütende Basis, ängstliche katholische Bischöfe und eine Selbstdarstellerin – beim Thema Ökumene reden alle Beteiligten aneinander vorbei. Ein Kommentar von Daniel Blatt

Die Ökumene zwischen Katholiken und Protestanten droht zum Dauerpatienten zu werden. Nach dem ersten ökumenischen Kirchentag in Berlin 2003 hat es eher Rück- als Fortschritte gegeben. In München versucht die Kirchenprominenz, diesen Eindruck zu widerlegen. Nicht besonders erfolgreich. Auf Podiumsdiskussionen wiederholen katholische und evangelische Theologen bekannte Floskeln, vielleicht etwas freundlicher als sonst, es ist ja immerhin Ökumenischer Kirchentag. Das tut niemandem weh, bringt aber die Ökumene keinen Zentimeter voran. Programmierte Langeweile.

In der Praxis ist die Ökumene auf dem Vormarsch, zumindest auf Gemeinde-Ebene. Die Probleme liegen eher auf der theoretischen Ebene: Jeder hat eine andere Idee von Ökumene, aber niemand ist in der Lage, sich in die Position des anderen hineinzuversetzen. Wenn Blinde auf Gehörlose treffen, wird Kommunikation schwierig.

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Erzbischof Robert Zollitsch über Ökumene

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Ganz besonders schwer tun sich in diesen Tagen die katholischen Bischöfe. Viele von ihnen sehnen sich zwar auch nach wirklich sichtbaren Fortschritten, etwa in der Abendmahlsfrage, sind aber gleichzeitig dem Papst zur Gehorsam verpflichtet. In der katholischen Kirche gilt in fast allen kritischen Fragen ein Denkverbot. Und, noch viel schlimmer: ein Kommunikationsproblem. Es ist sicher richtig, dass man theologische Meinungsunterschiede nicht ignorieren kann.

Aber ein bisschen Entgegenkommen seitens des Papstes würde dem angeschlagenen Image der Kirche guttun. Was bringt es, wenn Benedikt den Protestanten den Status einer „Kirche“ abspricht? Der Einwand von Erzbischof Robert Zollitsch, man sei sich ja immerhin darüber einig, wer Christ sei und wer nicht, klingt geradezu aberwitzig. Mit dieser Argumentation kommt die katholische Kirche aus der Rolle des Getriebenen und des Buhmanns nicht raus.

In diesem Punkt können sich die Katholiken von den evangelischen Würdenträgern eine Scheibe abschneiden: diese gehen mit der Ökumene gelassener um, wissen in vielen Fragen die Mehrheit beider Konfessionen hinter sich. Die EKD, oberstes Gremium der evangelischen Kirche in Deutschland, hat den Rückzug von Margot Käßmann gut verkraftet und mit Nikolaus Schneider einen wortgewandten kommissarischen Vorsitzenden gefunden.

Aber auch die Protestanten gießen gerne Öl ins Feuer: Wenn Margot Käßmann sich selbst zum Highlight des Kirchentages aufspielt, kurz vor dem Eröffnungsgottesdienst ihr neues Buch präsentiert und mit ihrem zur Schau gestellten Liberalismus konservative Gruppen provoziert, darf man schon fragen, ob es ihr um die Sache oder die eigene Person geht.

Außerdem ist es unglaubwürdig, dass die EKD auf der einen Seite Fortschritte in der Ökumene fordert, aber dann beleidigt ist, wenn der Papst auf andere Konfessionen, etwa die Orthodoxen, zugeht. Die römisch-katholische Kirche versteht sich als Weltkirche. Dementsprechend kann sie nicht nur auf deutsche Interessen Rücksicht nehmen, sondern muss in globalen Maßstäben denken. Und da gibt es eben nicht nur Protestanten, sondern auch Anglikaner, Orthodoxe und viele andere.

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Präses Nikolaus Schneider über Ökumene

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Auch die Basis ist schließlich nicht ganz schuldlos an der Situation. Mit ihren Maximalforderungen überfordert sie die Institutionen der Kirche und übersieht die politische Dimension der Ökumene: Gibt der Papst zum Beispiel in vielen Punkten den Forderungen der Kirchentagsbesucher nach, riskiert er eine Spaltung des konservativen Flügels der Gläubigen. Der ist nämlich auch noch vorhanden. Er zeigt sich nur nicht auf dem ÖKT, weil für ihn die Ökumene entweder nicht so wichtig ist oder weil er die Ökumene ablehnt.

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So denkt die Basis

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Dies sind die Grundhaltungen auf dem Ökumenischen Kirchentag, und dementsprechend drehen sich die Gespräche im Kreis. Die Debatten enthalten keinerlei konkrete Lösungsvorschläge; stattdessen bemühen sich Katholiken und Protestanten, Gemeinsamkeiten zu betonen, um Unterschiede zu verdecken. Wo bleibt die offene Diskussion mit konkreten Lösungsvorschlägen? Wo bleibt die Streitkultur? Nur wer um die richtigen Antworten ringt, im offenen Dialog und ohne Denkverbote, kann die Ökumene voranbringen. Das wäre die richtige Medizin für den Patienten. Der ÖKT bietet leider nur Beruhigungspillen an.



  1. Lucy on Dienstag 18, 2010

    Endlich mal ein ausgewogener Artikel zu dem Thema, der es schafft mehr als die vielbesprochene “Abendmahlsfrage” aufzugreifen. Beim Kirchenverständinis würde ich aber gerne anmerken, dass der Papst von Amtskirche gesprochen hat. Hierachische Strukturen, von denen die katholische Kirche meint, dass sie ihrem Auftrag dienen. Und in diesem Sinne will die evangelische Kirche ganz sicher nicht Kirche sein, zumindest habe ich davon nocht nichts mitbekommen und ich denke, dass es auch gut ist, wenn dort das Demokratische weiter gewahrt wird. Dass es trotzdem nicht gut ist sowas überhaupt bzw. so zu formulieren bleibt unstrittig.
    Viele wichtige Schritte wurden schon aufeinander zu gemacht: gemeinsame Taufanerkennung und Rechtfertigungslehre sind wohl die positivsten Beispiele, die nicht mit allen christlichen Kirchen als Gemeinsamkeiten zu finden sind…es fehlt der neue Impuls…und das schon seit ein paar Jahren, zumindest in der Ökumene mit den Protestanten. Angeblich soll sich bei der katholischen Kirche aber etwas bewegen, solange sie nach außen hin schweigt.