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Foto: Rebekka Eyrich

Wenn homosexuelle Paare Gottes Segen haben möchten, müssen sie häufig einen regelrechten Gang durch die Institutionen hinlegen und sind auf die Kooperation der Pfarrer angewiesen.

Von Rebekka Merholz

Zaghaft betreten erste Frauen und Männer den Klassenraum einer Münchner Grundschule und setzen sich auf die kleinen Kinderstühle. „Ich muss direkt vorweg sagen, dass hier heute keine Segnung stattfindet“, sagt Pfarrerin Heike Immel. Das sei leider ein Fehler im Programm gewesen. Zwei ältere Damen stehen auf und gehen. Der Raum füllt sich trotzdem.Rund 50 Männer und Frauen aller Altersklassen wollen sich über Segnungsmöglichkeiten für homosexuelle Paare informieren.

Solche führt Pfarrerin Heike Immel in ihrer Gemeinde durch. Sie betrachtet das Thema pragmatisch; ein Gottestdienst für ein schwules oder lesbisches Paar ist in ihren Augen ein Kausalgottesdienst: „Das sind Gottesdienste, bei denen in einer bestimmten Lebenssituation der Segen geschenkt wird. Das kann ein Jubiläum sein, ein Segen bei schwerer Krankheit oder im Tod. Oder eben auch bei Eintragung einer Lebenspartnerschaft“, sagt die Theologin. Sie weise die Paare aber immer ausdrücklich darauf hin, dass es keine Eheschließung sei.

Im Gespräch zeigt sich schnell, dass es für ein homosexuelles Paar oft mit großen Schwierigkeiten verbunden ist, einen Segnungsgottesdienst feiern zu können. In der evangelischen Kirche obliegt diese Entscheidung der jeweiligen Landeskirche. In der katholischen Kirche sind sie gänzlich verboten. Offener ist die Alt-Katholische Kirche. Dort haben sich Dirk und Frank vergangene Woche segnen lassen:

So unkompliziert wie bei Frank und Dirk läuft es in den seltensten Fällen ab. Eine Frau erzählt von einem lesbischen Paar, das sie begleitet hat. Von der Landeskirche wurde die Segnung gestattet, und auch der Pfarrer und der Gemeinderat hatten ihr Okay gegeben. Trotzdem gab es keinen Segnungsgottesdienst: Die Dekanin hatte ihn mit Verweis auf ihre seelsorgerische Freiheit untersagt. In der katholischen Kirche sei das alles wesentlich einfacher, sagt ein älterer Herr ironisch: „Die katholische Erfahrung ist eine Nicht-Erfahrung.“ Die Realität sei deprimierend. Oute man sich als schwul, werde man ausgegrenzt. Öffentlich zu seinem Partner bekennen könne er sich nicht: „Wenn ich meine Partnerschaft offiziell eintragen lassen würde, wäre das ein Grund für eine Kündigung!“ Aber, so ergänzt er, natürlich gebe es auch in der katholischen Kirche Pastöre, die Segnungen homosexueller Paare heimlich vornehmen würden. Auch Matthias kennt das Problem. Bevor er und sein Partner Gottes Segen bekamen, mussten sie bei viele Gemeinden anfragen.

Plötzlich trauen sich immer mehr Frauen und Männer, von ihren Erfahrungen zu berichten. Ein großer, kräftiger Mann erzählt sichtlich bewegt vom ersten schwulen Segnungsgottesdienst, den er miterlebt hat: „Ich habe im Chor gesungen. Das Paar ist in die Kirche eingezogen und hat dann vor dem Altar Platz genommen. Das hat mich echt berührt.“ Aber nicht nur Schwule und Lesben sind zu dem Workshop der HUK (Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche e.V.) gekommen. Auch einige Priester, die von Kollegin Immel wissen wollen, wie man einen Gottesdienst für ein schwules oder lesbisches Pärchen gestalten kann, hören aufmerksam zu. Pastor Lutz Jastram steht in den kommenden Wochen vor der gleichen Aufgabe.

„Ich stelle fest, dass homosexuelle Paare heute oft viel mehr Wert auf Gottes Segen legen, als gemischtgeschlechtliche Paare“, sagt ein Pfarrer. Umso unverständlicher sei es, dass ihnen immer noch so viele Steine in den Weg gelegt würden.



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