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Bild: Anja Breljak

Wie ein Popstar steht die Nonne im Blitzlichtgewitter. Sex, Sarkasmus und Satire erregen die Gemüter – genau das will die Protestaktion „Frohe Prozession“ der Religionsfreien Zone. Von: Anja Breljak

Mit Prügelnonne und Peniskreuz auf dem Rücken ziehen sie durch München. Rund 250 Teilnehmer der “Frohen Prozession” haben sich am Donnerstagnachmittag mit Kostümen, Plakaten und satirischen Pappmaschéeiguren auf den Weg von der Universität entlang des Altstadtrings zum Gärtnerplatz gemacht, mit dem Ziel, „die verknöcherten Strukturen der Amtskirchen aufzuwirbeln.“ Es ist der Auftakt der diesjährigen Religionsfreien Zone, dem alternativen Programm aus religionskritischen Veranstaltungen zum Ökumenischen Kirchentag 2010. Das Motto: „Heidenspaß statt Höllenqual“ – schon in Köln zum Weltjugendtag 2005 hat die Religionsfreie Zone so auf sich aufmerksam gemacht. Unter den Veranstaltern tummeln sich Organisationen wie der Bund für Geistesfreiheit (bfg), der Deutsche Freidenker Verband, die Giordano Bruno Stiftung und der Verein ehemaliger Heimkinder.

„Ich persönlich begreife diese Aktion als Angebot zu einer offenen Auseinandersetzung“, sagt Michael Wladarsch aus dem Vorstand des bfg, auch wenn Sprüche dabei seien, die manche vor den Kopf stoßen. Schließlich sollen die Kirchentagsbesucher aufgerüttelt werden, und das funktioniere eben am besten mit Provokation. Die gemeinsame Forderung der „Skeptiker, Agnostiker und Atheisten“, wie Wladarsch die bunte Mischung der Widerständler nennt, sei die „Trennung von Kirche und Staat“. Andere fordern: „Nie wieder Missbrauch in Heimen und Internaten“ oder „Wiedergutmachung und Akteneinsicht.“ Es ist aber vor allem das mediale Aufgebot, das Meer an Videokameras und Fotoapparaten, das überrascht – und die Veranstalter freut. „Wir haben uns bewusst die mediale Aufmerksamkeit des ÖKT zunutze gemacht“, sagt er. Schließlich sei dies das Ziel der Protestaktion.

Was sind die Ziele der Protestaktion? Michael Wladarsch (bfg):

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Vorbereitungen zum Prozessionsweg

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Nur vereinzelt interessieren sich Schaulustige für die Gestalten des Protestzugs. Es nieselt. „Auch wenn die Parolen sehr stark sind: Sie treffen einen wahren Kern“, sagt ein junger Mann. Als Ministrant habe er schlechte Erfahrungen gemacht. Mehr will er dazu nicht sagen. Die Religionsfreie Zone hält er für eine gute Alternative. Trotzdem will er nicht mit protestieren: „Die Ziele sind mir nicht ganz klar“. Zwei Kirchentagsbesucher aus Berlin schütteln die Köpfe: „Es mangelt an konsequenten Forderungen und die Form ist diffamierend.“ Über den Gärtnerplatz wabert Punkmusik. Einige Tanzende zucken wild, am Rand werden „Gottlos glücklich“-Shirts verkauft, an der Bühne lehnen die im Takt bebenden Pappmaschéefiguren . Ein Passant ist schockiert: „Wie kann man das denn zulassen? Das ist doch widerlich. Das sollte man verbieten!“

„Ziel erreicht“, sagt Wladarsch. Er ist zufrieden: mehr Teilnehmer als gedacht, mediale Aufmerksamkeit und ein Heidenspaß – alles haben sie seiner Meinung nach richtig gemacht. Und was hat der Kirchentag richtig gemacht? Auch alles, sagt er.

Was hat der Kirchentag richtig gemacht? Michael Wladarsch:

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