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Jan Thomas OtteWillst du die Welt sehen, musst du ins Kloster gehen. Ob die Bethanien-Kids, Kapuziner-Mönch Paulus oder Benediktiner-Boss Notker Wolf – der Kirchgang verbindet über Mauern von Klöstern. Haben Christen Spaß – auch Nonnen und Mönche? Der Kommentar zum 2. Ökumenischen Kirchentag, jeden Tag, bis Sonntag. Von Jan Thomas Otte, Theologie-Student an der Uni Heidelberg

Keine Erquickung. Das Leben ist hart. 1,5 Tonnen Kaffee wurden von den Besuchern auf dem Gelände getrunken, um bei den 3000 Veranstaltungen fit zu bleiben und nicht einzuschlafen. Bei geschätzten drei Stunden Schlaf pro Nacht, für viele auf der Isomatte, plus Gequetsche auf der Anfahrt. Ein echtes Amüsement, das Kraft kostet.

Doch woher diese Kraft nehmen? Der christliche Glaube entschleunige das Leben, sagen viele Besucher. Für die Bundestags-Vize Katrin Göring-Eckardt ist der Glaube „keine Teilzeitaktivität“, keine Flucht aus dem Alltagsstress. Das ist auch gut so. Denn bei einer Patchwork-Religiosität Marke Eigenbau, bei der sich jeder seinen eigenen Glauben zusammenbastelt oder diesen ebenso passend macht, kann man den Spaß am Glauben verlieren.

Bruder Paulus

Bruder Paulus begeistert Jugendliche für den Glauben

Der Wellness-Wahn, Weltreligionen-Mix oder das Geistliche Zentrum des ÖKT  – sie wollen Lust aufs Religiöse machen. Gestern Abend rockte Abtprimas Notker Wolf, Manager der Benediktiner, im strömenden Regen. Auf der Bühne von Diakonie und Caritas, mit Mönchskutte, Kreuz und E-Gitarre spielte er auch Querflöte.

Ausgerechnet an der päpstlichen Hochschule Roms entdeckte der Mönch Riffs der Rolling Stones und von Jimi Hendrix. Trotz Regenwetter, Schnupfen und kalten Füßen kamen 3000 Zuhörer. Viele von ihnen mögen auch seine Bücher lesen, vor dem Einschlafen, z.B. “Wohin pilgern wir?”.

Bruder Paulus Terwitte

Bruder Paulus, Fotos: Jan Thomas Otte

Doch Erquickung? Wohlfühlen im Glauben, Auspannen der Seele, Ankommen bei sich selbst. Jesu Worte tun mir da gut im Mix des Allerleis: “Kommet her zu mir, die ihr mühselig  und beladen seid. Ich will euch erquicken” (Matthäus 11,28). Vielleicht haben die Hallelujah-Schlümpfe beim Open-Air-Konzert an Ähnliches gedacht.Ebenso die spontanen A-Cappella-Chöre in der überfüllten U-Bahn.

Im Psalm 23 lese ich: “Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er erquicket meine Seele.” Für den Pfarrer wichtig: Nicht so sehr dem Volk aufs Maul schauen, wie der Mönch Martin Luther mal sagte. Sondern konkret sagen, was des Einzelnen Hoffnung ist. Dann hätte die viertägige Kirchen-Party ein Open End.

Warum Gott vor allem Humor hat, wie man echte Freu(n)de findet und wo man Jugendliche fürs Kloster auf Zeit begeistern kann – darüber sprach ich mit Bruder Paulus, Headhunter des Kapuzinerordens. Seit 25 Jahren arbeitet er als Seelsorger, fährt mit seiner Bahncard100 durchs Land, missioniert die Social Networks – um Menschen für Jesus zu begeistern.

Wenn er nicht gerade seine Sendung bei N24 “Ethik” moderiert, sitzt er bei Kollegen auf dem Sofa, z.B. in der Harald Schmidt Show. Der Mönch glaubt, dass Lebensfreude mit Entscheidungen kommt, den Sprung ins Wasser zu wagen: “Damit ich glücklich werde, sehen kann, in welche Weiten und Tiefen mich meine Entscheidung führt.” Warum hat Bruder Paulus gut lachen, wo pilgert er hin?

Und wenn die Freude nach dem ÖKT wieder nachlässt? Der Apostel Paulus hat eine wetterfeste Klamottenordnung empfohlen, gerüstet gegen jeden Niederschlag (Epheser 6,13-18). Hier ist der Katalog von kirchentags.de, was man mit dem begehrten Schal so alles machen kann. Das Motto bleibt immer dasselbe: „Damit ihr Hoffnung habt”. Kommt eben drauf an, was man draus macht.

Damit ihr Hoffnung habt: Stiefel

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„An den Beinen gestiefelt, bereit, einzutreten für das Evangelium des Friedens.“

Wort Ottes. Der Kommentar zum 2. Ökumenischen Kirchentag, jeden Tag, bis Sonntag. Von Jan Thomas Otte, Theologie-Student an der Uni Heidelberg. Vorher ging es um Hoffnung, dann um Leistung, hier um Erquickung.



  1. [...] an der Uni Heidelberg. Hier geht es um Hoffnung, dann um Leistung, zuguterletzt um Erquickung. 2 [...]